Der Vergeß
Er war voll Bildungshung, indes,
soviel er las
und Wissen aß,
er blieb zugleich ein Unverbeß,
5ein Unver, sag ich, als Vergeß;
ein Sieb aus Glas,
ein Netz aus Gras,
ein Vielfreß -
doch kein Haltefraß.
| Werkgruppe | Humoristische Lyrik |
| Werkbereich | Nachlese zur Galgenpoesie - Galgenlieder nebst anderem |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Der Vergeß |
| Textanfang | Er war voll Bildungshung, indes |
| Zitiert aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 212 |
| Kommentar aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 744 |
| Überlieferung | – |
| Datierung | Der SA-Kommentar schreibt: Die Entstehungszeit dieses Gedichts könnte vielleicht aus dem Vergleich mit einer Notiz aus dem Jahre 1907 erschlossen werden, wo das hier dem Sprachspiel zugrundeliegende Prinzip schon enthalten ist: Wörterverbiegung. Läch. Off. Lied. Butt. Kon. Fenst. Strass. Gart. Ich saß am Fenst u. sa in mein Gart. Der Kelln bringt Kaff, Butt, Hon, Semm, Zuck ( |
| Druck | Palma Kunkel (1916), S. 65 |
| Gemeinfrei | ja |
| Volltext | siehe Unterseite |
| ID | HUM-SA-03-07-0090 |
Kommentar
Der SA-Kommentar verweist für die Datierung auf eine Notiz Morgensterns, die das Sprachspiel des Gedichts vorwegnimmt. Er nennt sie eine Notiz aus dem Jahr 1907 und gibt als Fundstelle T 1906-07, Bl. 169 an. Dasselbe Blatt trägt den Entwurf von Tierisches Gemälde, den die SA in den Herbst 1906 setzt. Auch die Gedichte auf den benachbarten Blättern datiert sie in den Herbst 1906: Tertius Gaudens auf T 1906-07, Bl. 170 f., Mopsenleben auf T 1906-07, Bl. 172 und Der zarte Greis auf T 1906-07, Bl. 175.
Nach ihrer Lage im Tagebuch stammt die Notiz deshalb eher aus dem Herbst 1906. Möglich ist auch, dass Morgenstern das Blatt zu verschiedenen Zeiten beschrieben hat. Am Tagebuch selbst ist das bisher nicht geprüft. CMO übernimmt die Angabe der SA und setzt die Untergrenze auf den 1. Januar 1907. Trifft die Lage im Tagebuch zu, wäre sie früher anzusetzen.