Der Flügelflagel
Der Flügelflagel gaustert
durchs Wiruwaruwolz,
die rote Fingur plaustert
und grausig gutzt der Golz.
| Werkgruppe | Humoristische Lyrik |
| Werkbereich | Nachlese zur Galgenpoesie - Galgenlieder nebst anderem |
| Zyklus | – |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Der Flügelflagel |
| Textanfang | Der Flügelflagel gaustert |
| Zitiert aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 213 |
| Kommentar aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 744-745 |
| Überlieferung | – |
| Datierung | Der SA-Kommentar schreibt: Das Gedicht steht unter dem Titel Flügelflagel auf einer Liste von Galgenliedern in
T 1907-I, Bl. 123, die CM im Juli 1907 aufstellt. Demnach ist es vor Juli 1907 entstanden. |
| Druck | Der Gingganz (1919), S. 16 |
| Gemeinfrei | ja |
| Volltext | siehe Unterseite |
| ID | HUM-SA-03-07-0092 |
Kommentar
Aus der Stuttgarter Ausgabe:
Die meisten Kritiker sehen in diesem Text ein meisterhaftes Spiel mit den bloßen Klängen der Sprache, ein merkwürdiges Gemisch von "gewohnten Worten" und "sinnlosen Lauten". So z. B. Liede S. 291, Walter S. 89f. und 158, Stählin S. 284.
Ganz so sinnlos erscheint jedoch der Gehalt dieses Galgenlieds nicht, sobald man es mit einem ernsthaften Gedicht vergleicht, das etwa aus der gleichen Zeit stammen dürfte. In Erste Frühlingsahnung (Abt. Lyrik 1906-1914) lautet die zweite Strophe:
Unterm Monde silberweiß,
zwischen Wipfeln schwarz und kraus
flügelt eine Fledermaus
ihren ersten Kreis..
In Anlehnung an diesen Text (der Flügelflagel ist wohl eine Fledermaus) könnte eine verhältnismäßig zusammenhängende, fast sinnvolle Fassung des Galgenlieds wiederhergestellt werden, die ungefähr folgenden Wortlaut hätte:
Die Fledermaus geistert
durchs Wirrwarrholz,
die rote Fingur plaudert
und grausig glotzt (guckt) der Molch.
(Zu dieser Interpretation s. Cureau S. 606. - S. außerdem Palm S. 170.)