Der Wasseresel
Der Wasseresel taucht empor
und legt sich rücklings auf das Moor.
Und ordnet künstlich sein Gebein,
im Hinblick auf den Mondenschein:
5So daß der Mond ein Ornament
auf seines Bauches Wölbung brennt...
Mit diesem Ornamente naht
er sich der Fingur Wasserstaat.
Und wird von dieser, rings beneidet,
10mit einem Doktorhut bekleidet.
Als Lehrer liest er nun am Pult,
wie man durch Geist, Licht und Geduld,
verschönern könne, was sonst nicht
in allem dem Geschmack entspricht.
15Er stellt zuletzt mit viel Humor
sich selbst als lehrreich Beispiel vor.
"Einst war ich meiner Dummheit Beute"
so spricht er - "und was bin ich heute?
Ein Kunstwerk der Kulturbegierde,
20des Waldes Stolz, des Weihers Zierde!
Seht her, ich bring' euch in Person
das Kunsthandwerk als Religion."
| Werkgruppe | Humoristische Lyrik |
| Werkbereich | Palmström |
| Zyklus | Der Wasseresel und anderes |
| Zyklusnummer | – |
| Titel | Der Wasseresel |
| Textanfang | Der Wasseresel taucht empor |
| Zitiert aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 130 |
| Kommentar aus | SA Band III Humoristische Lyrik, S. 686 |
| Überlieferung | Notizbuch 1906/07, Blatt 45 |
| Datierung | Der SA-Kommentar schreibt: Die Eintragung Schmetterlin/Wasseresel lässt vermuten, dass das Gedicht am 12. Februar 1907 entstanden ist. |
| Druck | Palmström (1910), S. 31. |
| Gemeinfrei | ja |
| Volltexterfassung | siehe Unterseite |
| ID | HUM-SA-03-05-0033 |