Der Saal

Aus CMO

Eugen, der Juwelendieb,
stahl auch Stiefel oder Hemden,
ohne daß ihm ein Befremden
über sich zurücke blieb.

5Eines Monats aber stahl
er (man wird's nicht glauben wollen)
einen ganzen wundervollen
grade nicht benutzten Saal.

Mitten in dem Häuserblock
10einer sehr belebten Gegend,
drin kein Mensch war Argwohn hegend,
lag der Saal im ersten Stock.

Durch den Boden einer Stube,
die darüber lag, ersann
15einen Zugang er, und dann
stieg er einfach ein, der Bube.

Auf der Spree, da lag ein Kahn,
drein der Saal zunächst verbannt ward.
Freundlich lächelte der Strandwart,
20sah er Eugens Karre nahn.

Eines Tags im Juli fuhr
er gen Hamburg ganz vergnüglich,
und von da ging's unverzüglich
übers Meer nach Baltimur.

25Dort lief Eugen nach Attesten
für den lustigen Skandal -
und bereist seitdem den Westen
mit dem hier gestohlnen Saal.

Wer jedoch beschreibt den tristen
30Reiz der Sache hier zu Haus!
Selbst die ältsten Polizisten
wissen nicht mehr ein noch aus.

Nichts mehr ist zurück vom Saale.
Das nur, was dahinter war,
35beut, wie eine wüste Schale,
sich dem Bürgerauge dar.

Humoristische Lyrik | Palmström - aus vorherigen Ausgaben ausgeschiedene Gedichte
Der Saal | Der Foliant | Im Spiegel | Unverbürgtes Gerücht

Palmström (Gedichtband)

Werkgruppe Humoristische Lyrik
Werkbereich Palmström - aus vorherigen Ausgaben ausgeschiedene Gedichte
Zyklus –
Zyklusnummer –
Titel Der Saal
Textanfang Eugen, der Juwelendieb
Zitiert aus SA Band III Humoristische Lyrik, S. 148-149
Kommentar aus SA Band III Humoristische Lyrik, S. 697-698
Überlieferung T 1905, Bl. 77 ff.
Datierung Der SA-Kommentar schreibt: vermutlich November 1905 entstanden.
Druck Palmström (1913), S. 34.
Gemeinfrei ja
Volltexterfassung siehe Unterseite
ID HUM-SA-03-06-0001