CMO:Datierungsmodell im Vergleich zu anderen digitalen Editionen
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Diese Seite dokumentiert das CMO-Datierungsmodell im Vergleich mit der Praxis anderer digitaler Editionen. Sie basiert auf einer Recherche zu Datierungsmodellen digitaler Editionen und den daraus gezogenen Schlussfolgerungen für CMO.
Weiterführend: CMO:Struktur und Erfassungssystematik#Datierung und Zeitspannen - Richtlinien
Befundlage: Vier Schulen prägen die deutschsprachige Praxis
BBAW / TELOTA
edition humboldt digital, Jean Paul, Schleiermacher. ediarum.BASIS-Framework: dreistufige Datumstypen, meist binäres @cert="high|low".
Berner hallerNet
Vorbild des BBAW-Handbuchs „Encoding Correspondence". Feinstes Modell: @when/@notBefore/@notAfter, @cert (high/medium/low/unknown), @evidence, @resp, @source, strukturierte <note type="evidence">.
DTABf-Tradition
Bewusst binäres @cert="high|low" zugunsten besserer Vergleichbarkeit.
CMIF / correspSearch
Hartes Minimalformat: ISO-Daten und nur @cert="low" als zulässiger Wert. Alle anderen Werte werden vom RNG-Schema abgelehnt. Eine sichere Datierung trägt kein @cert.
Referenz: BBAW-Handbuch „Encoding Correspondence" (Dängeli/Hödl-Notter/Steyer 2020), Kapitel „Uncertainties in metadata".
Wie TEI die Datierungsachsen technisch trennt
TEI P5 unterscheidet vier konzeptionell unabhängige Aspekte, die in deutschen Editionen oft vermischt werden:
| Aspekt | TEI-Mittel | Mögliche Werte | CMO-Feld |
|---|---|---|---|
| Granularität – wie genau auflösbar? | @when bzw. @notBefore/@notAfter |
1900 · 1900-05 · 1900-05-12 · Spanne | ergibt sich aus date_start/date_end |
| Sicherheit – ist die Datierung korrekt? | @cert |
high · medium · low · unknown | Datierung_Sicherheit |
| Methode/Beleg – welche Art von Beleg? | @evidence |
internal · external · conjecture | Datierung_Methode |
| Verantwortlichkeit – wer datiert? | @resp |
URI/ID | Datierung_Herkunft |
| Konkrete Quelle – worauf beruht es? | @source + <note type="evidence"> |
URI + Freitext | Datierung_Grundlage |
TEI-Regel: @when darf nicht mit @notBefore/@notAfter oder @from/@to kombiniert werden. Diese Regel ist im CMIF-Schematron hart durchgesetzt. Ein eigenständiges @precision-Attribut auf <date> existiert nicht – Granularität wird über das separate <precision>-Element ausgedrückt.
Das CMO-Modell im Vergleich
Datierung_Sicherheit
Etablierte Praxis: TEI-Standard vierstufig (high · medium · low · unknown). Busoni-Edition nutzt alle drei Stufen. DTABf und edition humboldt: binär (high/low). Grimm-Ausgabe: fünfstufig nach Briefkategorie.
CMIF-Einschränkung: correspSearch akzeptiert nur cert="low". Alle anderen Werte werden vom RNG-Schema abgelehnt. Eine sichere Datierung trägt kein @cert.
| CMO-Wert | Bedeutung | TEI @cert | CMIF-Export |
|---|---|---|---|
| sicher | Datierung direkt oder eindeutig belegt | kein @cert | kein @cert |
| wahrscheinlich | gut begründet, SA-Formulierungen wie „wohl" | cert="high" |
weglassen |
| erschlossen | aus anderen Angaben abgeleitet, z. B. Erstdruck als Terminus ante quem | cert="medium" |
cert="low"
|
| nicht bestimmbar | keine sinnvolle Eingrenzung möglich | cert="unknown" |
kollabieren |
Datierung_Herkunft
Beantwortet die Frage „wer hat datiert?" und entspricht TEI @resp. Konzeptionell sauber. SA-Kopf ist in der Praxis nur für Briefe relevant.
| Wert | Bedeutung |
|---|---|
| SA-Kopf | Datum steht im Werkkopf der SA (vor allem Briefe) |
| SA-Kommentar | Datierungsangabe aus dem Kommentar der SA |
| CMO-Erschließung | redaktionell erschlossen, z. B. fehlender Grenzwert ergänzt |
Datierung_Methode
Neu im CMO-Modell. Entspricht TEI @evidence. Beantwortet die Frage „wie wurde datiert?". Wird aus dem SA-Kommentar übernommen, sofern die Grundlage benannt ist, oder von CMO eingeschätzt. Im CMIF nicht ausgewertet, aber für editorische Transparenz wichtig.
| Wert | Bedeutung | TEI @evidence |
|---|---|---|
| intern | Datierung ergibt sich aus dem Text selbst (z. B. datierter Briefkopf, Tagebucheintrag) | internal
|
| extern | Datierung beruht auf einem äußeren Beleg (z. B. Poststempel, Erstdruck, Erwähnung durch Dritte) | external
|
| konjektur | editorische Schätzung ohne direkten Beleg (z. B. Stil, Werkzusammenhang, Lebenskontext) | conjecture
|
Datierung_Grundlage
Gibt an, worauf die Datierung sachlich beruht. Entspricht dem Inhalt von <note type="evidence">. Wird nur eingetragen, wenn der SA-Kommentar die Grundlage explizit nennt. Das Vokabular ist erweiterbar.
| Wert | Bedeutung |
|---|---|
| Handschrift | Handschrift oder handschriftliche Angabe (z. B. loses Blatt im Nachlass) |
| Tagebuch | Tagebucheintrag |
| Notizbuch | Notizbucheintrag |
| Brief | Brief oder Briefzusammenhang |
| Erwähnung durch Dritte | Erwähnung durch eine andere Person (z. B. in Notizen oder Briefen) |
| Druck | Druck (Erst- oder Frühdruck) als Terminus |
| nicht angegeben | Quelle nennt Datierung, aber keine erkennbare Grundlage |
Mapping zu TEI / CMIF
| CMO-Feld | TEI (volle Granularität) | CMIF (correspSearch) | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| date_start/end | @when ODER @from/@to ODER @notBefore/@notAfter |
identisch, nur ISO-Form | Bei Zeitraum: notBefore/notAfter
|
| Datierung_Sicherheit | @cert mit high/medium/low |
nur cert="low" oder weggelassen |
sicher→∅, erschlossen→low, nicht bestimmbar→low |
| Datierung_Methode | @evidence mit internal/external/conjecture |
nicht im CMIF-Schema | nur im internen TEI-Export |
| Datierung_Herkunft | @resp="#cmo-editor" |
nicht ausgewertet, aber erlaubt | optional mitliefern |
| Datierung_Grundlage | <note type="evidence"> und/oder @source |
nicht ausgewertet | für Anzeige im eigenen Frontend |
XML-Beispiele
<!-- Sichere Tagesdatierung aus Briefkopf -->
<date when="1893-02-14">14. Februar 1893</date>
<!-- "Vermutlich Februar 1893" aus Poststempel -->
<date when="1893-02" cert="medium" evidence="external"
resp="#cmo-editor">
<note type="evidence">Datierung nach Poststempel.</note>
</date>
<!-- "Um 1900" stilistisch erschlossen -->
<date notBefore="1898" notAfter="1902" cert="low"
evidence="conjecture" resp="#cmo-editor">
<note type="evidence">Stilistische Datierung; Kontext Galgenlieder.</note>
</date>
<!-- CMIF-Export desselben Falls (reduziert) -->
<date notBefore="1898" notAfter="1902" cert="low"/>
Schlussfolgerung
Das CMO-Modell ist im deutschsprachigen Vergleich überdurchschnittlich differenziert und zugleich auf die tatsächliche Quellenlage der Stuttgarter Ausgabe zugeschnitten. Es ist vollständig TEI-kompatibel im Sinne der BBAW-Empfehlung „Encoding Correspondence" und vorbereitet für den CMIF-Export an correspSearch.
Der CMIF-Export reduziert sich automatisch auf das, was correspSearch verarbeitet – ohne Informationsverlust in der eigenen Edition.
Zentrale Referenz: BBAW-Handbuch „Encoding Correspondence", Kapitel „Uncertainties in metadata" (Dängeli/Hödl-Notter/Steyer 2020).