Einleitung zum Kommentarteil des Bandes Humoristische Lyrik
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In Meran, in der Nacht vor seinem Tod, mitten in einem relativ ruhigen Schlummer, "sagte Christian Morgenstern langsam und bestimmt:
- 'Der Husten ist vierdimensional — Die Heilung kann nur aus dem Geiste kommen.'"
Nach diesem Zeugnis Michael Bauers (Bauer, Chr. Μ. (1985) S. 576) fand der Mystiker Morgenstern in seinem letzten Schlaf, dem letzten unter der vergänglichen Hülle des Körpers, Worte, die seinen Glauben an den endgültigen Sieg des Geistes über die Materie bezeugten. Wie seltsam aber klingt dieses Bekenntnis in seiner Formulierung: "Der Husten ist vierdimensional". Was für eine Bizarrerie des Ausdrucks! Und warum flüsterte gerade das Unbewußte dem Schüler Rudolf Steiners eine Aussage ein, die der Humorist unmöglich verleugnen konnte? Ist das nicht etwa der Beweis, daß der Humorist Morgenstern mit dem Mystiker und tiefsinnigen Lyriker unzertrennlich verbunden ist?
In den letzten Worten des Dichters spiegelt sich die Ambivalenz seines Wesens wider. Mich selber habe ich stets als zwei gefaßt, notierte er in T 1908 in, Bl. 55. Der Doppelköpfigkeit des Dichters entsprechen die beiden Zweige seiner dichterischen Schöpfung. Neben der reinen Lyrik, die die ersten beiden Bände unserer Ausgabe zusammenfassen, steht die "humoristische Lyrik", die seinen Ruhm begründete. Unter "humoristischer Lyrik" versteht man gewöhnlich — und mit Recht — alle Galgenlieder und die Palmströmgedichte. Diese Werke bilden den Kern unseres Bandes, so daß hier die Bezeichnung "humoristische Lyrik" dem Umfang und der dominierenden Rolle des Humors in dem Sektor der nicht-seriösen Lyrik gerecht wird. Jedoch werden in diesem Band unter dem breiten Hut des Humors auch Dichtungen gebracht, die zwar der heiteren Seite der Morgensternschen Poesie angehören, die man aber im engeren Sinne nicht unbedingt humoristisch nennen kann. Neben den eigentlichen Galgenliedern und den ersten ulkigen Schöpfungen des Pennälers erscheinen hier: Horatius travestitus (eine scherzhafte Travestie), die Vorreden und Anmerkungen, wo der Dichter mit kecker Feder seine eigenen Produktionen, die Galgenlieder, geistreich glossiert, gereimte Parodien auf zeitgenössische Autoren und die Kindergedichte.
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Der Ironiker Morgenstern, der Parodist, zum Teil auch der Satiriker — wenn auch die streitbare Komponente seines Wesens hier nur diskret durchschimmert — sind ebenfalls in unserem Band zu Gast. Wer aber nach der Einheitlichkeit dieses dritten Bandes fragt, findet sie vorgeformt in der Widmung, die Morgenstern den eigentlichen Galgenliedern vorausschickte: Dem Kinde im Manne. "Im ächten Manne ist ein Kind versteckt: das will spielen." Nietzsche. Alle oder fast alle in diesem Band versammelten Dichtungen sind Werke des homo ludens, sind Spiele eines burschikosen Formvirtuosen oder eines spaßigen Ästheten. Nur die Kindergedichte stehen etwas abseits, obgleich sie in formeller Hinsicht und durch manche Motive vieles mit den anderen Humoresken gemeinsam haben. Am auffälligsten ist ihre Verwandtschaft mit Morgensterns halb humoristischem, halb ernstem Erstlingswerk In Phantas Schloss, das zur Hälfte in unserem Band stehen müßte oder stehen könnte, das aber seinem janushaften Wesen verdankt, in der ernsten Lyrik zu figurieren (s. Abt. Lyrik 1887—1905).
Die Zweckfreiheit des Spiels, "le caractère autotélique du jeu", wie es der Schweizer Psychologe Jean Piaget in seiner Untersuchung des kindlichen Weltbildes nennt, ist nicht nur in den Galgenliedern und Palmström vertreten, nicht nur in den Parodien, sondern auch naturgemäß in den Kindergedichten.
Als Morgenstern 1914 starb, beschränkte sich sein lyrisches Werk auf dreizehn dünne Bändchen, von denen nur vier den Anteil der humoristischen Lyrik darstellten. Unter diesen vier Büchlein, die den Grundstock zu unserem Band bilden, bestand eines aus Parodien (Horatius travestitus), ein anderes, das Osterbuch, wendete sich an ein Kinderpublikum, und nur zwei Sammlungen, Galgenlieder und Palmström, waren als Beitrag des Humoristen im wahrsten Sinne des Wortes zu betrachten. Eine besondere Stellung nahm das Werk In Phantas Schloss wegen seiner oben erwähnten Zwitternatur ein.
Im Verhältnis zu der Gesamtproduktion des Dichters erschien 1914 das heitere Werk von geringem Umfang, um so geringer, als die Horaztravestie nicht allein aus seiner Feder stammte, sondern auf die Zusammenarbeit des Dichters mit einem seiner Studiengenossen, Fritz Münster, zurückging. Nun aber wurde bei dem Tod Morgensterns vorwiegend dieser begrenzte Teil seines literarischen Schaffens beachtet. Morgenstern galt sehr schnell in den Rezensionen als "der fast populär gewordene Dichter der Galgenlieder" ("Rigasche Rundschau", 2.4.1914). Den Erfolg der
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heiteren bzw. humoristischen Lyrik kann man an der Zahl der Auflagen ablesen, die sie im Lauf seines Lebens erfahren hat: Horatius travestitus, erstmals im Februar 1897 bei Schuster und Loeffler erschienen, wurde von demselben Verlag vier Monate darauf neu aufgelegt und schließlich 14 Jahre später, mit einem Anhang versehen, von Piper veröffentlicht. Die Sammlung Galgenlieder erreichte im Jahre 1914 die 13. Auflage und Palmström die 7. und 8. Auflage.
Während der gleichen Zeit hinkten die Sammlungen ernster Lyrik erbärmlich nach. Ein Brief von Enno Quehl, einem Mitarbeiter des Verlegers Cassirer, macht diesen Abstand deutlich. Auf eine voreilige Honorarforderung des Dichters in bezug auf die ernste Gedichtsammlung Melancholie antwortete Quehl am 27.7. 1909: "Von der dritten und vierten Auflage der Galgenlieder wurden seit Juli 1908 800 Exemplare abgesetzt. Von der Melancholie wurden 1907/08: 41 Exemplare, 1908/09: 47 Exemplare verkauft, so daß der Gesamtabsatz bisher 151 Exemplare erreicht. Die Kosten der Drucklegung sind hierdurch noch längst nicht gedeckt, so daß eine Verrechnung noch nicht vorzunehmen ist."
Ist das nicht der schlagende Beweis, daß die Publikation der ernsten Gedichte kein rentables Geschäft war, während die Humoresken und Parodien problemlos Abnehmer fanden? So läßt sich wohl der Mangel an Eifer verstehen, den der Verleger Piper an den Tag legte, als ihm Morgenstern im Jahre 1910 die beiden ernsten Gedichtsammlungen Einkehr und Ich und Du anbot. Auf diesen Vorschlag antwortete Piper: "Wir haben die Manuskripte Ihrer beiden Gedichtbände gelesen und sind nicht abgeneigt, der Verlagsübernahme derselben näherzutreten."
Später, das Beleidigende der Formel "und sind nicht abgeneigt" bereuend, versuchte Piper in seinen Memoiren sich zu rechtfertigen: "Es war das alles aber doch verzeihlich, wenn man bedenkt, daß Morgenstern damals erst anfing, bekannt zu werden, und dies auch nur als Dichter der 'Galgenlieder'". (R. Piper: Vormittag. Erinnerungen eines Verlegers. München 1947. S.423)
Unter allen Sammlungen ernster Lyrik hat sich zu Lebzeiten Morgensterns nur eine durch eine zweite Ausgabe ausgezeichnet: Auf vielen Wegen (1911), eine verkürzte Fassung von Ich und die Welt und Auf vielen Wegen, deren zweiten Druck der Verfasser teuer erkaufte, indem er Piper das Recht einräumte, die Horaztravestie neu aufzulegen. Ein solcher Tauschhandel ist aufschlußreich genug, er illustriert die Vorrangstellung der heiteren Lyrik im Gesamtwerk des Dichters
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Die Humoresken überschatten die ernsten Gedichte. Halb bitter, halb resigniert stellte Morgenstern fest:
- Du mußt, mein lieber Freund, erst einmal Narr werden, erst einmal machen, daß die Mienen starr werden, dann wird man sich vielleicht bequemen, auch was du Ernstes schreibst, zur Hand zu nehmen.
- (Abt. Lyrik 1906—1914)
Diese Verse decken eine heimliche Wunde auf. Durch eine Ironie des Schicksals verdankte Morgenstern seinen literarischen Erfolg nicht der ernsten Lyrik, die ihm doch besonders am Herzen lag, sondern den Humoresken, die er für Beiwerkchen und Nebensachen hielt (T 1911/12, Bl. 149). Sein Los erinnert an die Tragödie des Clowns, dem das Publikum zujubelt und dessen innigster Wunsch doch gewesen wäre, ein großer Tragöde zu werden.
Nach dem Tode des Dichters nahm der Erfolg der humoristischen oder grotesken Dichtung weiter zu. Die Galgenlieder erreichten 1919 die 49. Auflage, während Gassirer zu dem gleichen Zeitpunkt mit der 31. Auflage des Palmström herauskam. Im Jahre 192g teilte der Verleger der Dichterwitwe das Erscheinen des hunderttausendsten Exemplars mit: "Von den Galgenliedern haben wir dieser Tage das 100.Tausend in einer Vorzugsausgabe erscheinen lassen, von der ich Ihnen ein Ganzpergamentexemplar bereits übersandte." (Brief vom 7.5. 1929)
Inzwischen hatte Margareta Morgenstern angefangen, den Nachlaß auszuwerten. Es erschienen zwei neue humoristische Gedichtsammlungen, Palma Kunkel (1916) und Der Gingganz (1919), die das glückliche Los der Originalausgaben der Galgenlieder und des Palmström teilten und, mit ihnen zu einem einzigen Band vereinigt, unter dem Titel Alle Galgenlieder 1932 veröffentlicht wurden. Der Erfolg der Galgenlieder kam dem nichthumoristischen, in den Tagebüchern verschütteten Teil des Werks zugute. Die Witwe veröffentlichte Aphorismen (Stufen, 1918), Epigramme und Sprüche (1919) und manche, bisher ungedruckte, rein lyrische Gedichte (Mensch Wanderer, 1927). Parodien, teils in Versen, teils in Prosa, wurden ans Licht gebracht: Die Tiefen des Nachlasses waren scheinbar unerschöpflich, drei Sammlungen kamen zustande: Die Schallmühle (1928). Böhmischer Jahrmarkt (1938), Egon und Emilie (1950). Ein verblüffendes Kunststück! Aus dem Stoff
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einer einzigen Sammlung hatte es Margareta Morgenstern verstanden, drei Bände hervorzuzaubern.
Ähnliches geschah mit den Kindergedichten, die um fünf weitere Werke bereichert wurden: Klein Irmchen (1921), Klaus Burrmann, der Tierweltphotograph (1941), Liebe Sonne, liebe Erde (1945), Ostermärchen (1945) und schließlich Sausebrand und Mausbarbier (1951). Auch hier hatte Margareta Morgensterns Eifer eine Art Wunder vollbracht. Sowohl Sausebrand und Mausbarbier wie Liebe Sonne, liebe Erde brachten nichts Neues. Sie entnahmen zum größten Teil ihren Inhalt der schon publizierten Sammlung Klein Irmchen.
Im Jahre 1908 hatte der Dichter Cassirer Anmerkungen zu den Galgenliedern von Jeremias und Erica Mueller vorgeschlagen. 1921 griff Margareta Morgenstern diesen Plan auf, zu dessen Verwirklichung der Verleger sich seinerzeit nicht hatte entschließen können. Zu den ironisch drolligen Glossen fügte sie Tagebuchauszüge (Briefentwürfe) hinzu und ließ das Ganze unter dem Titel Über die Galgenlieder erscheinen. Diesem Bändchen folgte 1941 ein Zwillingsbruder, Das aufgeklärte Mondschaf, wo zwar die Briefentwürfe aus den Tagebüchern durch "Vor-, Zwischen- und Nachreden" Jeremias Muellers ersetzt wurden, wo aber der Hauptbestand der Anmerkungen aus der früheren Sammlung mit nur geringen Änderungen ausgenommen wurde.
Margareta Morgensterns editorische Tätigkeit ist rührend und verwirrend zugleich. Lob gebührt zweifelsohne der tapferen Witwe, die mit unermüdlicher Energie um die Förderung und Verbreitung des Werks ihres Gatten gekämpft hat. Aber es fehlte ihr die unerläßliche Methodik und vielleicht auch die nötige Kompetenz, um eine solche Aufgabe sachgemäß zu bewältigen. Nicht zu Unrecht denunziert Alfred Liede (S. 273 f.) "die Spielereien mit Morgensterns Nachlaß", den "Unfug, der mit den Ausgaben der Werke getrieben wird". Das Gesamtwerk, wie es heute dasteht, ist tatsächlich eine zum großen Teil von Margareta Morgenstern geschaffene Konstruktion. Der humoristische Teil insbesondere hat schwer unter dem Vermehrungs- und Vermischungsverfahren gelitten, auf das wir hingewiesen haben. Die beiden posthumen Sammlungen Palma Kunkel und Der Gingganz tragen wohl die Überschrift von Büchern, die der Dichter zu publizieren gedachte (Näheres hierzu in der Einleitung zur Galgenpoesie). Aber die zuerst unter der Mitarbeit von Cassirer und Kayssler, später von Margareta Morgenstern allein getroffene Auswahl, hat mit den von Morgenstern entworfenen Sammlungen wenig zu tun. Unter den
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65 Gedichten, die Palma Kunkel umfaßt, sind genau 13 schon vorher veröffentlicht worden, sechs befanden sich in den ersten beiden Ausgaben der Galgenlieder, drei in deren dritter Auflage, und vier kamen geradewegs aus Palmströmausgaben. Zu diesem Bestand gehören außerdem Gedichte, die Morgenstern zum großen Teil in neuen Sammlungen zu veröffentlichen gedachte: St. Expeditus, Palmström II oder Die Oste (s. S. 700 ff.). All diese Gedichte stammen aus den verschiedensten Schaffensperioden (von 1898 bis 1913), so daß diesem buntscheckigen, bastardierten Werk jede Einheitlichkeit abgeht.
Was den Gingganz anbetrifft, so enthält diese Sammlung zwar nur einen einzigen, vorher schon veröffentlichten Text, das Eingangsgedicht, das der dritten Auflage der Galgenlieder entliehen worden ist, aber die von der Dichterwitwe gebotene Zusammenstellung hat wenig gemeinsam mit dem, was Morgenstern vorschwebte, als er vom Gingganz sprach (s. die Einleitung zur Galgenpoesie). Jahrzehntelang haben sich die Interpreten der humoristischen Lyrik an einem gefälschten, zur Hälfte nachgemachten Editionsbild orientiert (eine Ausnahme bildet die Morgensternstudie Μ. Cureaus, der allerdings über die Nachlaßdokumente verfügte). Deshalb tat es not, eine von allen Schlacken und Auswüchsen gereinigte, in ihrem Urzustand restaurierte Ausgabe zu schaffen.
Zur Textgestalt des Bandes III.
Diesem Band liegen folgende editorische Prinzipien zugrunde:
- Als erstes werden die überflüssigen, von Margareta Morgenstern willkürlich geschaffenen Sammlungen aufgelöst. Demnach ward der Leser in unserem Band weder Palma Kunkel noch den Gingganz, noch die vielen Auswahl- und Auslesebände (Die Schallmühle, Böhmischer Jahrmarkt usw.) finden, die nach dem Tode des Dichters pilzartig aus dem fruchtbaren Boden des Nachlasses hervorgeschossen sind.
- In den verschiedenen Textgruppen, die der Band "Humoristische Lyrik" umfaßt, werden nach Möglichkeit zunächst die Werke letzter Hand abgedruckt. Es erscheinen demnach die von Morgenstern selbst zusammengestellten Sammlungen in der jeweiligen Form der letzten von ihm besorgten Auflage.
Nur in einem Fall weicht unsere Ausgabe von diesen Regeln ab: Die Sammlung von Kindergedichten Klaus Burrmann, der Tierweltphotograph wird hier genau in der Gestalt übernommen, wie sie Margareta Morgenstern 1941 publiziert hatte. Denn alles spricht dafür, daß
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die von der Dichterwitwe getroffene Auswah] mit Morgensterns Vorhaben übereinstimmte (Näheres hierzu s. S. 875 f.); auch stammen alle Klaus-Burrmann-Gedichte aus der gleichen Schaffensperiode (1908), so daß in keiner anderen Zusammenstellung die Einheitlichkeit des Werks hätte besser durchscheinen können.
Nach Möglichkeit wird unsere Ausgabe den Intentionen des Dichters gerecht. Dem Wunsch gemäß, den er in einem Brief an Cassirer 1908 äußerte, werden beispielsweise die Anmerkungen, von denen sich der Dichter ein Separatvergnügen versprach, von den Galgenliedern getrennt gedruckt. Jedoch konnten weder Der Gingganz noch St. Expeditus noch Die Oste (s. S. 700 ff.), die vom Verfasser selbst konstituierten Sammlungen, die er 1906, 1908 und 1911 Cassirer vergeblich angeboten hatte, wieder ans Licht gezogen werden, denn die Substanz dieser Werke hatte sich in den folgenden Galgenlieder-, bzw. Palmströmauflagen ganz oder teilweise aufgelöst.
Heikler blieb die Frage, ob Horatius travestitus einen Platz unter den anderen Publikationen des Dichters beanspruchen durfte. Die Horaztravestie ist nämlich zum Teil die Frucht der Zusammenarbeit Morgensterns mit Fritz Münster. Sehr früh schon, bei der 2. Auflage dieses erfolgreichen Bändchens, äußerte der Dichter seine Bedenken und bat seinen Verleger Schuster und Loeffler, bei der Konzeption des Einbanddeckels den Schwerpunkt nicht aufseinen Namen zu legen, sondern auf den Titel. 1907 wurde seine Voreingenommenheit gegen jenes Werk, das er eine Jugendsünde nannte, noch stärker: Ich habe den Horaz niemals ernsthaft unter meine Büchergerechnet. Die Idee stammt auch keineswegs von mir (Brief an Cassirer, undatiert, vermutlich 1907). Eine solche Ablehnung hätte wohl den Ausschlag geben können, wenn Morgenstern nicht 1911 zu diesem seiner Ansicht nach fragwürdigen Werk sechs neue Oden aus dem fiktiven Nachlaß des Horaz hinzugedichtet hätte. Diesem Umstand verdankt Horatius travestitus mit seinem Anhang in unserer Ausgabe zu stehen.
Bei der Einteilung in Textgruppen ist dafür gesorgt worden, daß alle zu der Galgenpoesie gehörenden Texte aufeinanderfolgen, so daß sie einen relativ einheitlichen Komplex bilden. Unter "Galgenpoesie" verstehen wir nicht nur die Gedichte, die in den beiden Sammlungen Galgenlieder und Palmström veröffentlicht wurden, sondern auch die in den Tagebüchern aufbewahrten Texte, die der Dichter in den von ihm geplanten Sammlungen St. Expeditus, Die Oste, Palma Kunkel, Palmström II
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zu publizieren gedachte (s. Nachlese zur Galgenpoesie, S. 700 ff.). Auch wird in unseren weiteren Ausführungen der Terminus "Galgenlieder" als Sammelbegriff gebraucht, um besagte Gedichte zu bezeichnen. Falls die Gedichte der ursprünglichen Sammlung Galgenlieder gemeint sind, wird ausdrücklich darauf verwiesen.
Herrn Dr. Mattke, der als erfahrener Latinist mir bei der Redaktion des Kommentars zu Horatius travestitus wesentliche Hilfe geleistet hat, sei zunächst ein besonderer Dank ausgesprochen. Ein ebenso herzlicher Dank gilt Frau Christa Eichhorn, die seit vielen Jahren das Morgenstern-Archiv im Verlag Urachhaus verwaltet, dessen Grundlagen 1970 von Frau Inge Thöns geschaffen wurden. Mit Scharfsinn und unermüdlichem Eifer hat Frau Eichhorn den größten Teil der besonders im humoristischen Bereich schwierigen Transkriptionsarbeiten bewältigt. Stets fand sie sich bereit, mit zuverlässigen Auskünften zu dienen. Hilfsbereitschaft fand ich auch bei Frau Marie-Luise Zeuch, der Mitherausgeberin und Lektorin des Verlags Urachhaus. Es sei ihr herzlichst gedankt, desgleichen den Herren Dr. Gumtau und Dr. Kießig, die, Vorjahren schon die europäische Solidarität vorwegnehmend, die Entfernung zwischen Brest und Stuttgart dadurch abschafften, daß sie beide selbstlos für mich in deutschen Bibliotheken unentbehrliche Nachforschungen unternahmen. Auch dem Leiter der Gesamtausgabe, Herrn Prof. Dr. Habel, fühle ich mich zu Dank verpflichtet. Er hat durch Beratung und in anregenden brieflichen Diskussionen den Arbeitsprozeß fördernd begleitet. Es sei ferner der freundlich Gesinnten gedacht, die sich auf irgendeine Weise, durch eine Auskunft oder einen Wink, hilfreich erwiesen: Herrn Prof. Dr. Claude David
(Paris), Frau Margot Dietrich und Herrn Karl-Ernst Dietrich (Stuttgart), Frau Yvette Julien (Brest). Mein wärmster Dank gebührt aber vor allem meiner Frau lolanda, geb. Sabottig, die bei der Entzifferung der Handschriften und Bereitstellung des Textmaterials, bei der Transkription, bzw. der Redaktion des Kommentarteils, kurz in jeder Entstehungsphase des
vorliegenden Bandes mir unermüdlich mit Rat und Tat beistand.
Brest, im Juni 1989
Maurice Cureau