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unleugbar annunziert. Es haben diese zweiten Lieder mit | |||
dem Galgen wohl so wenig mehr gemein, als wie der Galgenhügel | dem Galgen wohl so wenig mehr gemein, als wie der Galgenhügel | ||
dieser Zeit mit dem von einstmals. Der Galgen ist hinweg, der | dieser Zeit mit dem von einstmals. Der Galgen ist hinweg, der | ||
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Und solch ein Symptom - und damit spring’ ich betreffs des ersten Teils in den der ersten und zweiten Auflage betreffs des letzteren bereits vorgedruckt gewesenen "Versuch einer Einleitung" | Und solch ein Symptom - und damit spring’ ich betreffs des ersten | ||
Teils in den der ersten und zweiten Auflage betreffs des letzteren bereits vorgedruckt gewesenen "Versuch einer Einleitung" | |||
{{Zeile|30}}meines unvergeßlichen Mitarbeiters am Reiche deutscher Wissenschaft | {{Zeile|30}}meines unvergeßlichen Mitarbeiters am Reiche deutscher Wissenschaft | ||
und Kunst & ihrer Deutung, des Lic. Dr. Jer. Mueller, | und Kunst & ihrer Deutung, des Lic. Dr. Jer. Mueller, | ||
Version vom 29. September 2026, 13:59 Uhr
Aufgefordert vom Verfasser, eine neue Einleitung zu schreiben
oder die alte - meines seligen Jeremias - zu belassen, verbind’ ich
beides, insofern als ich zum ersten festgestellt zu haben wissen
möchte, daß dieses Buch nunmehr nicht nur zum dritten Male in
5einem ersten Teile seines Inhalts, sondern zugleich zum andern
mit einem zweiten Teile seines Inhalts zum ersten Male, also einerseits
zum dritten, andrerseits zum ersten Male, seine Reise in
die Umwelt antritt, zum zweiten aber, daß auch im gedachten
ersten Feile nicht alles wie beim ersten und beim zweiten Male,
10sondern teils in Kleinigkeiten überfeilt, teils überlegter angeordnet,
teils auch um ein Dutzend minder reifer Beeren ausgezwickt,
gedruckt, worüber nicht zu larmoyieren, sondern sich zu freuen
jedem Weisen leicht wird, worden ist.
LZ
Von der Verfertigung der ersten Gesänge an zweiter Stelle; jetzt
15vorerst an erster von den zweiten - als einer Art Ausbau der ursprünglichen
Leyer, schon im ersten Teile seinerzeit durch Etliches
unleugbar annunziert. Es haben diese zweiten Lieder mit
dem Galgen wohl so wenig mehr gemein, als wie der Galgenhügel
dieser Zeit mit dem von einstmals. Der Galgen ist hinweg, der
20Hügel ist geblieben. So auch hier. Zuerst war am Galgenhügel
der Galgen das Wesenzielle, jetzt ist es der Hügel. Und auf dem
Hügel steht kein Holz mehr heut, es sei ein Baumstrunk denn, auf
dem der Gingganz sinnend spinnend Bein mit Beine kreuzt...
LZ
Um ihn, vor ihm bewegt sich (nach wie vor und wie auch sonst)
25die Zeit, reiht Tag an Tag sich, reiht Symptom sich an Symptom,
gleich neuem Leben sprossend aus Ruinen.
LZ
Und solch ein Symptom - und damit spring’ ich betreffs des ersten
Teils in den der ersten und zweiten Auflage betreffs des letzteren bereits vorgedruckt gewesenen "Versuch einer Einleitung"
30meines unvergeßlichen Mitarbeiters am Reiche deutscher Wissenschaft
und Kunst & ihrer Deutung, des Lic. Dr. Jer. Mueller,
meines Manns, zurück - zeitströmiger Entwicklung war’s denn
auch, daß eines Tags des hinvergangnen finis secli sich "acht
junge Männer, festentschlossen, dem feindlichen Moment, wo
35immer, im Sinne der Zeit, und auch wieder nicht im Sinne der
Zeit, diese Zeit, wie jede, als eine Zeit nicht bloß der Bewegung
schlechthin, sondern einer sowohl ab- wie aufsteigenden Bewegung, mit zeitweilig dem Ideale unentwegten Fortschritts nur
allzu abgekehrter Vorwiegung des ersteren Moments in ihr be-
40trachtet, munteren Sinnes sich entgegenzustellen, die Hand
reichten".
LZ
"Ein sonderbarer Kult" fährt Jeremias fort, "vereinte sie. Zuvörderst
ward das Licht verdreht, ein schwarzes Tuch dann aus dem
Korb und übern Tisch gezogen, mit Schauderzeichen reich phos-
45phoresziert, und bleich ein einzig Wachs inmitten der Idee des
Galgenbergs entnommner freudig-schrecklicher Symbole. Dazu
hieß der erste Schuhu: der hing zuhöchst und gab den Klang zum
Hauch des Rabenaas, der das Mysterium verweste; der dritte hieß
Verreckerie: der bot das Henkersmahl; der vierte Veitstanz, zubenannt
50der Glöckner: der zog den Armesünderstrang; der fünfte
Gurgeljochem: der schor den Lebensfaden durch; der sechste
Spinna, das Gespenst: der schlug zwölf; der siebente Stummer
Hannes, der Büchner zubenannt: der sang Fisches Nachtgesang,
und der achte Faherüggh, mit dem Beinamen der 'Unselm': der
55konnte das Simmaleins und sprach das große Lalulā. Und es
wurde das Knochenklavier geschaffen und der Gelächtertrab und
die Elementarsymphonie und der Huckepackd’Albert und der
Eulenviertanz und der Galgenschlenkerer und Sophie, die Henkersmaid,
als Symbild von der Weisheit unverweslichem
60Begriff".
LZ
Und nun endet Jeremias - ende denn auch ich hier dies mein Ad-
und Konscribonium - mit der kataraktnen Coda folgender Betrachtung und Erachtung:
LZ
"Ein modulationsfähiger Keim.
65"Und in der Tat, wenn irgendwo, wenn irgendwann, mußte gerade
damals und gerade bei denjenigen Kräften der Volksseele, in
denen das Herz der vom Geist der neuen Zeit am wunderlichsten
beeindruckten Unvoreingenommenheit des Natürlichen am zukunftswetterschwangervollsten
pochte, ein besonders abwelthafter
70Rückschlag wider das Gesetz in der Vernunft von Seiten mehr
excös gerichteter Seelen erfolgen und damit ein Beweisschatten
mehr geworfen werden, daß keine Zeit, so dunkel sie auch sich
und in sich selber sei, indem sie 'ihr Herze offenbart' mit all den
Widersprüchen, Knäulen, Gräulen, Grund- und Kraftsuppen ihres
75Wesens, als Schwan zuletzt mit Rosenfingern über den Horizont
ihres eigenen Chaos, und sei es auch nur als ein Wesenstel
ihrer selbst und sei es auch nur mit der lächelndsten Träne im
Wappen, emporzusteigen sich zu entbrechen den Mut, was sage
ich, die Verruchtheit hat.
LZ
80"Es darf daher getrost, was auch von allen, deren Sinne, weil sie
unter Sternen, die, wie der Dichter sagt, zu dörren, statt zu leuchten, geschaffen sind, geboren sind, vertrocknet sind, behauptet
wird, enthauptet werden, daß hier einem sozumaßen und im
Sinne der Zeit, dieselbe im Negativen als Hydra betrachtet, hydratherapeutischen
85Moment ersten Ranges, immer angesichts
dessen, daß, wie oben, keine mit Rosenfingern den springenden
Punkt ihrer schlechthin unvoreingenommenen Hoffnung auf
eine, sagen wir, schwansinnige oder wesenzielle Erweiterung des
natürlichen Stoffgebietes zusamt mit der Freiheit des Individuums
90vor dem Gesetz ihrer Volksseele zu verraten den Mut, was
sage ich, die Verruchtheit haben wird, einem Moment, wie ihm in
Handel, Wandel, Kunst und Wissenschaft allüberall dieselbe Erscheinung,
dieselbe Tendenz den Arm bietet, und welches bei allem,
ja vielleicht eben trotz allem, als ein mehr oder minder modulationsfähiger
95Ausdruck einer ganz bestimmten und im weitesten
Verfolge excösen Weltauffasseraumwortkindundkunstanschauung
kaum mehr zu unterschlagen versucht werden zu wollen
vermag - gegenübergestanden und beigewohnt werden zu
dürfen gelten lassen zu müssen sein möchte."
LZ
Köpenick / Athen. <poem>
Aufgefordert vom Verfasser, eine neue Einleitung zu schreiben
oder die alte - meines seligen Jeremias - zu belassen, verbind’ ich
beides, insofern als ich zum ersten festgestellt zu haben wissen
möchte, daß dieses Buch nunmehr nicht nur zum dritten Male in
5einem ersten Teile seines Inhalts, sondern zugleich zum andern
mit einem zweiten Teile seines Inhalts zum ersten Male, also einerseits
zum dritten, andrerseits zum ersten Male, seine Reise in
die Umwelt antritt, zum zweiten aber, daß auch im gedachten
ersten Feile nicht alles wie beim ersten und beim zweiten Male,
10sondern teils in Kleinigkeiten überfeilt, teils überlegter angeordnet,
teils auch um ein Dutzend minder reifer Beeren ausgezwickt,
gedruckt, worüber nicht zu larmoyieren, sondern sich zu freuen
jedem Weisen leicht wird, worden ist.
LZ
Von der Verfertigung der ersten Gesänge an zweiter Stelle; jetzt
15vorerst an erster von den zweiten - als einer Art Ausbau der ursprünglichen
Leyer, schon im ersten Teile seinerzeit durch Etliches unleugbar annunziert. Es haben diese zweiten Lieder mit
dem Galgen wohl so wenig mehr gemein, als wie der Galgenhügel
dieser Zeit mit dem von einstmals. Der Galgen ist hinweg, der
20Hügel ist geblieben. So auch hier. Zuerst war am Galgenhügel
der Galgen das Wesenzielle, jetzt ist es der Hügel. Und auf dem
Hügel steht kein Holz mehr heut, es sei ein Baumstrunk denn, auf
dem der Gingganz sinnend spinnend Bein mit Beine kreuzt...
LZ
Um ihn, vor ihm bewegt sich (nach wie vor und wie auch sonst)
25die Zeit, reiht Tag an Tag sich, reiht Symptom sich an Symptom,
gleich neuem Leben sprossend aus Ruinen.
LZ
Und solch ein Symptom - und damit spring’ ich betreffs des ersten Teils in den der ersten und zweiten Auflage betreffs des letzteren bereits vorgedruckt gewesenen "Versuch einer Einleitung"
30meines unvergeßlichen Mitarbeiters am Reiche deutscher Wissenschaft
und Kunst & ihrer Deutung, des Lic. Dr. Jer. Mueller,
meines Manns, zurück - zeitströmiger Entwicklung war’s denn
auch, daß eines Tags des hinvergangnen finis secli sich "acht
junge Männer, festentschlossen, dem feindlichen Moment, wo
35immer, im Sinne der Zeit, und auch wieder nicht im Sinne der
Zeit, diese Zeit, wie jede, als eine Zeit nicht bloß der Bewegung
schlechthin, sondern einer sowohl ab- wie aufsteigenden Bewegung, mit zeitweilig dem Ideale unentwegten Fortschritts nur
allzu abgekehrter Vorwiegung des ersteren Moments in ihr be-
40trachtet, munteren Sinnes sich entgegenzustellen, die Hand
reichten".
LZ
"Ein sonderbarer Kult" fährt Jeremias fort, "vereinte sie. Zuvörderst
ward das Licht verdreht, ein schwarzes Tuch dann aus dem
Korb und übern Tisch gezogen, mit Schauderzeichen reich phos-
45phoresziert, und bleich ein einzig Wachs inmitten der Idee des
Galgenbergs entnommner freudig-schrecklicher Symbole. Dazu
hieß der erste Schuhu: der hing zuhöchst und gab den Klang zum
Hauch des Rabenaas, der das Mysterium verweste; der dritte hieß
Verreckerie: der bot das Henkersmahl; der vierte Veitstanz, zubenannt
50der Glöckner: der zog den Armesünderstrang; der fünfte
Gurgeljochem: der schor den Lebensfaden durch; der sechste
Spinna, das Gespenst: der schlug zwölf; der siebente Stummer
Hannes, der Büchner zubenannt: der sang Fisches Nachtgesang,
und der achte Faherüggh, mit dem Beinamen der 'Unselm': der
55konnte das Simmaleins und sprach das große Lalulā. Und es
wurde das Knochenklavier geschaffen und der Gelächtertrab und
die Elementarsymphonie und der Huckepackd’Albert und der
Eulenviertanz und der Galgenschlenkerer und Sophie, die Henkersmaid,
als Symbild von der Weisheit unverweslichem
60Begriff".
LZ
Und nun endet Jeremias - ende denn auch ich hier dies mein Ad-
und Konscribonium - mit der kataraktnen Coda folgender Betrachtung und Erachtung:
LZ
"Ein modulationsfähiger Keim.
65"Und in der Tat, wenn irgendwo, wenn irgendwann, mußte gerade
damals und gerade bei denjenigen Kräften der Volksseele, in
denen das Herz der vom Geist der neuen Zeit am wunderlichsten
beeindruckten Unvoreingenommenheit des Natürlichen am zukunftswetterschwangervollsten
pochte, ein besonders abwelthafter
70Rückschlag wider das Gesetz in der Vernunft von Seiten mehr
excös gerichteter Seelen erfolgen und damit ein Beweisschatten
mehr geworfen werden, daß keine Zeit, so dunkel sie auch sich
und in sich selber sei, indem sie 'ihr Herze offenbart' mit all den
Widersprüchen, Knäulen, Gräulen, Grund- und Kraftsuppen ihres
75Wesens, als Schwan zuletzt mit Rosenfingern über den Horizont
ihres eigenen Chaos, und sei es auch nur als ein Wesenstel
ihrer selbst und sei es auch nur mit der lächelndsten Träne im
Wappen, emporzusteigen sich zu entbrechen den Mut, was sage
ich, die Verruchtheit hat.
LZ
80"Es darf daher getrost, was auch von allen, deren Sinne, weil sie
unter Sternen, die, wie der Dichter sagt, zu dörren, statt zu leuchten, geschaffen sind, geboren sind, vertrocknet sind, behauptet
wird, enthauptet werden, daß hier einem sozumaßen und im
Sinne der Zeit, dieselbe im Negativen als Hydra betrachtet, hydratherapeutischen
85Moment ersten Ranges, immer angesichts
dessen, daß, wie oben, keine mit Rosenfingern den springenden
Punkt ihrer schlechthin unvoreingenommenen Hoffnung auf
eine, sagen wir, schwansinnige oder wesenzielle Erweiterung des
natürlichen Stoffgebietes zusamt mit der Freiheit des Individuums
90vor dem Gesetz ihrer Volksseele zu verraten den Mut, was
sage ich, die Verruchtheit haben wird, einem Moment, wie ihm in
Handel, Wandel, Kunst und Wissenschaft allüberall dieselbe Erscheinung,
dieselbe Tendenz den Arm bietet, und welches bei allem,
ja vielleicht eben trotz allem, als ein mehr oder minder modulationsfähiger
95Ausdruck einer ganz bestimmten und im weitesten
Verfolge excösen Weltauffasseraumwortkindundkunstanschauung
kaum mehr zu unterschlagen versucht werden zu wollen
vermag - gegenübergestanden und beigewohnt werden zu
dürfen gelten lassen zu müssen sein möchte."
LZ
Köpenick / Athen. Dr. Gundula Mueller
Im Schaltmonat a. D. MDCCCCVIII.
Aufgefordert vom Verfasser, eine neue Einleitung zu schreiben
oder die alte - meines seligen Jeremias - zu belassen, verbind’ ich
beides, insofern als ich zum ersten festgestellt zu haben wissen
möchte, daß dieses Buch nunmehr nicht nur zum dritten Male in
5einem ersten Teile seines Inhalts, sondern zugleich zum andern
mit einem zweiten Teile seines Inhalts zum ersten Male, also einerseits
zum dritten, andrerseits zum ersten Male, seine Reise in
die Umwelt antritt, zum zweiten aber, daß auch im gedachten
ersten Feile nicht alles wie beim ersten und beim zweiten Male,
10sondern teils in Kleinigkeiten überfeilt, teils überlegter angeordnet,
teils auch um ein Dutzend minder reifer Beeren ausgezwickt,
gedruckt, worüber nicht zu larmoyieren, sondern sich zu freuen
jedem Weisen leicht wird, worden ist.
LZ
Von der Verfertigung der ersten Gesänge an zweiter Stelle; jetzt
15vorerst an erster von den zweiten - als einer Art Ausbau der ursprünglichen
Leyer, schon im ersten Teile seinerzeit durch Etliches
unleugbar annunziert. Es haben diese zweiten Lieder mit
dem Galgen wohl so wenig mehr gemein, als wie der Galgenhügel
dieser Zeit mit dem von einstmals. Der Galgen ist hinweg, der
20Hügel ist geblieben. So auch hier. Zuerst war am Galgenhügel
der Galgen das Wesenzielle, jetzt ist es der Hügel. Und auf dem
Hügel steht kein Holz mehr heut, es sei ein Baumstrunk denn, auf
dem der Gingganz sinnend spinnend Bein mit Beine kreuzt...
LZ
Um ihn, vor ihm bewegt sich (nach wie vor und wie auch sonst)
25die Zeit, reiht Tag an Tag sich, reiht Symptom sich an Symptom,
gleich neuem Leben sprossend aus Ruinen.
LZ
Und solch ein Symptom - und damit spring’ ich betreffs des ersten Teils in den der ersten und zweiten Auflage betreffs des letzteren bereits vorgedruckt gewesenen "Versuch einer Einleitung"
30meines unvergeßlichen Mitarbeiters am Reiche deutscher Wissenschaft
und Kunst & ihrer Deutung, des Lic. Dr. Jer. Mueller,
meines Manns, zurück - zeitströmiger Entwicklung war’s denn
auch, daß eines Tags des hinvergangnen finis secli sich "acht
junge Männer, festentschlossen, dem feindlichen Moment, wo
35immer, im Sinne der Zeit, und auch wieder nicht im Sinne der
Zeit, diese Zeit, wie jede, als eine Zeit nicht bloß der Bewegung
schlechthin, sondern einer sowohl ab- wie aufsteigenden Bewegung, mit zeitweilig dem Ideale unentwegten Fortschritts nur
allzu abgekehrter Vorwiegung des ersteren Moments in ihr be-
40trachtet, munteren Sinnes sich entgegenzustellen, die Hand
reichten".
LZ
"Ein sonderbarer Kult" fährt Jeremias fort, "vereinte sie. Zuvörderst
ward das Licht verdreht, ein schwarzes Tuch dann aus dem
Korb und übern Tisch gezogen, mit Schauderzeichen reich phos-
45phoresziert, und bleich ein einzig Wachs inmitten der Idee des
Galgenbergs entnommner freudig-schrecklicher Symbole. Dazu
hieß der erste Schuhu: der hing zuhöchst und gab den Klang zum
Hauch des Rabenaas, der das Mysterium verweste; der dritte hieß
Verreckerie: der bot das Henkersmahl; der vierte Veitstanz, zubenannt
50der Glöckner: der zog den Armesünderstrang; der fünfte
Gurgeljochem: der schor den Lebensfaden durch; der sechste
Spinna, das Gespenst: der schlug zwölf; der siebente Stummer
Hannes, der Büchner zubenannt: der sang Fisches Nachtgesang,
und der achte Faherüggh, mit dem Beinamen der 'Unselm': der
55konnte das Simmaleins und sprach das große Lalulā. Und es
wurde das Knochenklavier geschaffen und der Gelächtertrab und
die Elementarsymphonie und der Huckepackd’Albert und der
Eulenviertanz und der Galgenschlenkerer und Sophie, die Henkersmaid,
als Symbild von der Weisheit unverweslichem
60Begriff".
LZ
Und nun endet Jeremias - ende denn auch ich hier dies mein Ad-
und Konscribonium - mit der kataraktnen Coda folgender Betrachtung und Erachtung:
LZ
"Ein modulationsfähiger Keim.
65"Und in der Tat, wenn irgendwo, wenn irgendwann, mußte gerade
damals und gerade bei denjenigen Kräften der Volksseele, in
denen das Herz der vom Geist der neuen Zeit am wunderlichsten
beeindruckten Unvoreingenommenheit des Natürlichen am zukunftswetterschwangervollsten
pochte, ein besonders abwelthafter
70Rückschlag wider das Gesetz in der Vernunft von Seiten mehr
excös gerichteter Seelen erfolgen und damit ein Beweisschatten
mehr geworfen werden, daß keine Zeit, so dunkel sie auch sich
und in sich selber sei, indem sie 'ihr Herze offenbart' mit all den
Widersprüchen, Knäulen, Gräulen, Grund- und Kraftsuppen ihres
75Wesens, als Schwan zuletzt mit Rosenfingern über den Horizont
ihres eigenen Chaos, und sei es auch nur als ein Wesenstel
ihrer selbst und sei es auch nur mit der lächelndsten Träne im
Wappen, emporzusteigen sich zu entbrechen den Mut, was sage
ich, die Verruchtheit hat.
LZ
80"Es darf daher getrost, was auch von allen, deren Sinne, weil sie
unter Sternen, die, wie der Dichter sagt, zu dörren, statt zu leuchten, geschaffen sind, geboren sind, vertrocknet sind, behauptet
wird, enthauptet werden, daß hier einem sozumaßen und im
Sinne der Zeit, dieselbe im Negativen als Hydra betrachtet, hydratherapeutischen
85Moment ersten Ranges, immer angesichts
dessen, daß, wie oben, keine mit Rosenfingern den springenden
Punkt ihrer schlechthin unvoreingenommenen Hoffnung auf
eine, sagen wir, schwansinnige oder wesenzielle Erweiterung des
natürlichen Stoffgebietes zusamt mit der Freiheit des Individuums
90vor dem Gesetz ihrer Volksseele zu verraten den Mut, was
sage ich, die Verruchtheit haben wird, einem Moment, wie ihm in
Handel, Wandel, Kunst und Wissenschaft allüberall dieselbe Erscheinung,
dieselbe Tendenz den Arm bietet, und welches bei allem,
ja vielleicht eben trotz allem, als ein mehr oder minder modulationsfähiger
95Ausdruck einer ganz bestimmten und im weitesten
Verfolge excösen Weltauffasseraumwortkindundkunstanschauung
kaum mehr zu unterschlagen versucht werden zu wollen
vermag - gegenübergestanden und beigewohnt werden zu
dürfen gelten lassen zu müssen sein möchte."
LZ
Köpenick / Athen. Dr. Gundula Mueller
Im Schaltmonat a. D. MDCCCCVIII.
Aufgefordert vom Verfasser, eine neue Einleitung zu schreiben
oder die alte - meines seligen Jeremias - zu belassen, verbind’ ich
beides, insofern als ich zum ersten festgestellt zu haben wissen
möchte, daß dieses Buch nunmehr nicht nur zum dritten Male in
5einem ersten Teile seines Inhalts, sondern zugleich zum andern
mit einem zweiten Teile seines Inhalts zum ersten Male, also einerseits
zum dritten, andrerseits zum ersten Male, seine Reise in
die Umwelt antritt, zum zweiten aber, daß auch im gedachten
ersten Feile nicht alles wie beim ersten und beim zweiten Male,
10sondern teils in Kleinigkeiten überfeilt, teils überlegter angeordnet,
teils auch um ein Dutzend minder reifer Beeren ausgezwickt,
gedruckt, worüber nicht zu larmoyieren, sondern sich zu freuen
jedem Weisen leicht wird, worden ist.
LZ
Von der Verfertigung der ersten Gesänge an zweiter Stelle; jetzt
15vorerst an erster von den zweiten - als einer Art Ausbau der ursprünglichen
Leyer, schon im ersten Teile seinerzeit durch Etliches unleugbar annunziert. Es haben diese zweiten Lieder mit
dem Galgen wohl so wenig mehr gemein, als wie der Galgenhügel
dieser Zeit mit dem von einstmals. Der Galgen ist hinweg, der
20Hügel ist geblieben. So auch hier. Zuerst war am Galgenhügel
der Galgen das Wesenzielle, jetzt ist es der Hügel. Und auf dem
Hügel steht kein Holz mehr heut, es sei ein Baumstrunk denn, auf
dem der Gingganz sinnend spinnend Bein mit Beine kreuzt...
LZ
Um ihn, vor ihm bewegt sich (nach wie vor und wie auch sonst)
25die Zeit, reiht Tag an Tag sich, reiht Symptom sich an Symptom,
gleich neuem Leben sprossend aus Ruinen.
LZ
Und solch ein Symptom - und damit spring’ ich betreffs des ersten Teils in den der ersten und zweiten Auflage betreffs des letzteren bereits vorgedruckt gewesenen "Versuch einer Einleitung"
30meines unvergeßlichen Mitarbeiters am Reiche deutscher Wissenschaft
und Kunst & ihrer Deutung, des Lic. Dr. Jer. Mueller,
meines Manns, zurück - zeitströmiger Entwicklung war’s denn
auch, daß eines Tags des hinvergangnen finis secli sich "acht
junge Männer, festentschlossen, dem feindlichen Moment, wo
35immer, im Sinne der Zeit, und auch wieder nicht im Sinne der
Zeit, diese Zeit, wie jede, als eine Zeit nicht bloß der Bewegung
schlechthin, sondern einer sowohl ab- wie aufsteigenden Bewegung, mit zeitweilig dem Ideale unentwegten Fortschritts nur
allzu abgekehrter Vorwiegung des ersteren Moments in ihr be-
40trachtet, munteren Sinnes sich entgegenzustellen, die Hand
reichten".
LZ
"Ein sonderbarer Kult" fährt Jeremias fort, "vereinte sie. Zuvörderst
ward das Licht verdreht, ein schwarzes Tuch dann aus dem
Korb und übern Tisch gezogen, mit Schauderzeichen reich phos-
45phoresziert, und bleich ein einzig Wachs inmitten der Idee des
Galgenbergs entnommner freudig-schrecklicher Symbole. Dazu
hieß der erste Schuhu: der hing zuhöchst und gab den Klang zum
Hauch des Rabenaas, der das Mysterium verweste; der dritte hieß
Verreckerie: der bot das Henkersmahl; der vierte Veitstanz, zubenannt
50der Glöckner: der zog den Armesünderstrang; der fünfte
Gurgeljochem: der schor den Lebensfaden durch; der sechste
Spinna, das Gespenst: der schlug zwölf; der siebente Stummer
Hannes, der Büchner zubenannt: der sang Fisches Nachtgesang,
und der achte Faherüggh, mit dem Beinamen der 'Unselm': der
55konnte das Simmaleins und sprach das große Lalulā. Und es
wurde das Knochenklavier geschaffen und der Gelächtertrab und
die Elementarsymphonie und der Huckepackd’Albert und der
Eulenviertanz und der Galgenschlenkerer und Sophie, die Henkersmaid,
als Symbild von der Weisheit unverweslichem
60Begriff".
LZ
Und nun endet Jeremias - ende denn auch ich hier dies mein Ad-
und Konscribonium - mit der kataraktnen Coda folgender Betrachtung und Erachtung:
LZ
"Ein modulationsfähiger Keim.
65"Und in der Tat, wenn irgendwo, wenn irgendwann, mußte gerade
damals und gerade bei denjenigen Kräften der Volksseele, in
denen das Herz der vom Geist der neuen Zeit am wunderlichsten
beeindruckten Unvoreingenommenheit des Natürlichen am zukunftswetterschwangervollsten
pochte, ein besonders abwelthafter
70Rückschlag wider das Gesetz in der Vernunft von Seiten mehr
excös gerichteter Seelen erfolgen und damit ein Beweisschatten
mehr geworfen werden, daß keine Zeit, so dunkel sie auch sich
und in sich selber sei, indem sie 'ihr Herze offenbart' mit all den
Widersprüchen, Knäulen, Gräulen, Grund- und Kraftsuppen ihres
75Wesens, als Schwan zuletzt mit Rosenfingern über den Horizont
ihres eigenen Chaos, und sei es auch nur als ein Wesenstel
ihrer selbst und sei es auch nur mit der lächelndsten Träne im
Wappen, emporzusteigen sich zu entbrechen den Mut, was sage
ich, die Verruchtheit hat.
LZ
80"Es darf daher getrost, was auch von allen, deren Sinne, weil sie
unter Sternen, die, wie der Dichter sagt, zu dörren, statt zu leuchten, geschaffen sind, geboren sind, vertrocknet sind, behauptet
wird, enthauptet werden, daß hier einem sozumaßen und im
Sinne der Zeit, dieselbe im Negativen als Hydra betrachtet, hydratherapeutischen
85Moment ersten Ranges, immer angesichts
dessen, daß, wie oben, keine mit Rosenfingern den springenden
Punkt ihrer schlechthin unvoreingenommenen Hoffnung auf
eine, sagen wir, schwansinnige oder wesenzielle Erweiterung des
natürlichen Stoffgebietes zusamt mit der Freiheit des Individuums
90vor dem Gesetz ihrer Volksseele zu verraten den Mut, was
sage ich, die Verruchtheit haben wird, einem Moment, wie ihm in
Handel, Wandel, Kunst und Wissenschaft allüberall dieselbe Erscheinung,
dieselbe Tendenz den Arm bietet, und welches bei allem,
ja vielleicht eben trotz allem, als ein mehr oder minder modulationsfähiger
95Ausdruck einer ganz bestimmten und im weitesten
Verfolge excösen Weltauffasseraumwortkindundkunstanschauung
kaum mehr zu unterschlagen versucht werden zu wollen
vermag - gegenübergestanden und beigewohnt werden zu
dürfen gelten lassen zu müssen sein möchte."
LZ
Köpenick / Athen. Dr. Gundula Mueller
Im Schaltmonat a. D. MDCCCCVIII.
Dr. Gundula Mueller
Im Schaltmonat a. D. MDCCCCVIII. </poem>