WdT2306: Unterschied zwischen den Versionen
UweS (Diskussion | Beiträge) K Textersetzung - „<small><small>[[{{PAGENAME}}|Werk des Tages]]</small></small>“ durch „“ |
UweS (Diskussion | Beiträge) Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
< | <small> | ||
An unsere jungen Dichter: Geht ins Volk, | |||
mischt euch unter die gewöhnlichen Leute, | |||
sucht ihre Freundschaft zu gewinnen, sucht so | |||
reden zu lernen, daß sie euch verstehen wie | |||
ihresgleichen. Geht zu den verschiedensten | |||
Handwerkern, auf die Werften, in die Fabriken, in die Bergwerke; lernt vom Volk und | |||
für das Volk, seht zu, daß was und wie ihr | |||
dann schreibt, jedem verständlich sein könne, der | |||
den guten Willen für euer Verständnis mitbringt. | |||
Laßt euch Jahre eures Lebens in einsamen Dörfern nieder, im deutschen Gebirge, | |||
an den Küsten, auf Inseln. Laßt euch vom | |||
glatten charakterlosen Großstädter nicht das | |||
Bild des Menschen fälschen, obwohl man auch | |||
bei ihm leicht unter die Schale dringen kann. | |||
Denkt an Luther, wie er herumging in allen | |||
Werkstätten, um sich die Sprache für seine | |||
Bibelübersetzung zu bilden; wandert, soviel ihr | |||
könnt, werdet lieber Handwerksburschen als | |||
hoffnungsvolle Literaten, die von Gesellschaft | |||
zu Gesellschaft eilen, die sich ihre Ziele aus | |||
Theatern und Zeitschriften holen, die sich | |||
ästhetisch anregen lassen, statt immer wieder auf | |||
den Grund des Lebens zu gehen. | |||
[[WdT|.]] | |||
</small> | |||
<noinclude> | |||
<small>Morgenstern, Margareta (Hg.): ''[[Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben (Buch)|Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben.]]'' - München: Piper, 1939.</small> | |||
{{ÜbersichtLYR|WdT}} | |||
[[Kategorie:WdT]] | [[Kategorie:WdT]] | ||
</noinclude> | </noinclude> | ||
Aktuelle Version vom 4. Juni 2026, 10:47 Uhr
An unsere jungen Dichter: Geht ins Volk, mischt euch unter die gewöhnlichen Leute, sucht ihre Freundschaft zu gewinnen, sucht so reden zu lernen, daß sie euch verstehen wie ihresgleichen. Geht zu den verschiedensten Handwerkern, auf die Werften, in die Fabriken, in die Bergwerke; lernt vom Volk und für das Volk, seht zu, daß was und wie ihr dann schreibt, jedem verständlich sein könne, der den guten Willen für euer Verständnis mitbringt. Laßt euch Jahre eures Lebens in einsamen Dörfern nieder, im deutschen Gebirge, an den Küsten, auf Inseln. Laßt euch vom glatten charakterlosen Großstädter nicht das Bild des Menschen fälschen, obwohl man auch bei ihm leicht unter die Schale dringen kann. Denkt an Luther, wie er herumging in allen Werkstätten, um sich die Sprache für seine Bibelübersetzung zu bilden; wandert, soviel ihr könnt, werdet lieber Handwerksburschen als hoffnungsvolle Literaten, die von Gesellschaft zu Gesellschaft eilen, die sich ihre Ziele aus Theatern und Zeitschriften holen, die sich ästhetisch anregen lassen, statt immer wieder auf den Grund des Lebens zu gehen.
Morgenstern, Margareta (Hg.): Wer vom Ziel nicht weiß, kann den Weg nicht haben. - München: Piper, 1939.