CMO:Datierungsmodell im Vergleich zu anderen digitalen Editionen: Unterschied zwischen den Versionen

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Diese Seite dokumentiert das CMO-Datierungsmodell im Vergleich mit der Praxis anderer digitaler Editionen. Sie basiert auf einer Recherche zu Datierungsmodellen digitaler Editionen (2025) und den daraus gezogenen Schlussfolgerungen für CMO.
 
Weiterführend: [[CMO:Struktur und Erfassungssystematik#Datierung und Zeitspannen - Richtlinien]]
 
<div class="show-toc">
__TOC__
</div>
 
== Befundlage: Vier Schulen prägen die deutschsprachige Praxis ==
 
<div class="cmo-gutachten-raster">
<div class="cmo-gutachten-karte cmo-akzent-karmin">
'''BBAW / TELOTA'''
 
edition humboldt digital, Jean Paul, Schleiermacher. ediarum.BASIS-Framework: dreistufige Datumstypen, meist binäres <code>@cert="high|low"</code>.
</div>
<div class="cmo-gutachten-karte cmo-akzent-petrol">
'''Berner hallerNet'''
 
Vorbild des BBAW-Handbuchs „Encoding Correspondence". Feinstes Modell: <code>@when/@notBefore/@notAfter</code>, <code>@cert</code> (high/medium/low/unknown), <code>@evidence</code>, <code>@resp</code>, <code>@source</code>, strukturierte <code>&lt;note type="evidence"&gt;</code>.
</div>
<div class="cmo-gutachten-karte cmo-akzent-gold">
'''DTABf-Tradition'''
 
Bewusst binäres <code>@cert="high|low"</code> zugunsten besserer Vergleichbarkeit.
</div>
<div class="cmo-gutachten-karte cmo-akzent-aubergine">
'''CMIF / correspSearch'''
 
Hartes Minimalformat: ISO-Daten und nur <code>@cert="low"</code> als zulässiger Wert. Alle anderen Werte werden vom RNG-Schema abgelehnt. Eine sichere Datierung trägt kein <code>@cert</code>.
</div>
</div>
 
''Referenz: BBAW-Handbuch „Encoding Correspondence" (Dängeli/Hödl-Notter/Steyer 2020), Kapitel „Uncertainties in metadata".''
 
== Wie TEI die Datierungsachsen technisch trennt ==
 
TEI P5 unterscheidet vier konzeptionell unabhängige Aspekte, die in deutschen Editionen oft vermischt werden:
 
{| class="wikitable"
! Aspekt !! TEI-Mittel !! Mögliche Werte !! CMO-Feld
|-
| '''Granularität''' – wie genau auflösbar? || <code>@when</code> bzw. <code>@notBefore/@notAfter</code> || 1900 · 1900-05 · 1900-05-12 · Spanne || ergibt sich aus date_start/date_end
|-
| '''Sicherheit''' – ist die Datierung korrekt? || <code>@cert</code> || high · medium · low · unknown || Datierung_Sicherheit
|-
| '''Methode/Beleg''' – welche Art von Beleg? || <code>@evidence</code> || internal · external · conjecture || Datierung_Methode
|-
| '''Verantwortlichkeit''' – wer datiert? || <code>@resp</code> || URI/ID || Datierung_Herkunft
|-
| '''Konkrete Quelle''' – worauf beruht es? || <code>@source</code> + <code>&lt;note type="evidence"&gt;</code> || URI + Freitext || Datierung_Grundlage
|}
 
<div class="cmo-gutachten-hinweis">
'''TEI-Regel:''' <code>@when</code> darf nicht mit <code>@notBefore/@notAfter</code> oder <code>@from/@to</code> kombiniert werden. Diese Regel ist im CMIF-Schematron hart durchgesetzt. Ein eigenständiges <code>@precision</code>-Attribut auf <code>&lt;date&gt;</code> existiert nicht – Granularität wird über das separate <code>&lt;precision&gt;</code>-Element ausgedrückt.
</div>
 
== Das CMO-Modell im Vergleich ==
 
=== Datierung_Sicherheit ===
 
<div class="cmo-gutachten-feldbox cmo-akzent-karmin-links">
'''Etablierte Praxis:''' TEI-Standard vierstufig (high · medium · low · unknown). Busoni-Edition nutzt alle drei Stufen. DTABf und edition humboldt: binär (high/low). Grimm-Ausgabe: fünfstufig nach Briefkategorie.
 
'''CMIF-Einschränkung:''' correspSearch akzeptiert nur <code>cert="low"</code>. Alle anderen Werte werden vom RNG-Schema abgelehnt. Eine sichere Datierung trägt kein <code>@cert</code>.
</div>
 
{| class="wikitable"
! CMO-Wert !! Bedeutung !! TEI @cert !! CMIF-Export
|-
| sicher || Datierung direkt oder eindeutig belegt || kein @cert || kein @cert
|-
| wahrscheinlich || gut begründet, SA-Formulierungen wie „wohl" || <code>cert="high"</code> || weglassen
|-
| erschlossen || aus anderen Angaben abgeleitet, z. B. Erstdruck als Terminus ante quem || <code>cert="medium"</code> || <code>cert="low"</code>
|-
| nicht bestimmbar || keine sinnvolle Eingrenzung möglich || <code>cert="unknown"</code> || kollabieren
|}
 
=== Datierung_Herkunft ===
 
<div class="cmo-gutachten-feldbox cmo-akzent-gold-links">
Beantwortet die Frage „wer hat datiert?" und entspricht TEI <code>@resp</code>. Konzeptionell sauber. <code>SA-Kopf</code> ist in der Praxis nur für Briefe relevant.
</div>
 
{| class="wikitable"
! Wert !! Bedeutung
|-
| SA-Kopf || Datum steht im Werkkopf der SA (vor allem Briefe)
|-
| SA-Kommentar || Datierungsangabe aus dem Kommentar der SA
|-
| CMO-Erschließung || redaktionell erschlossen, z. B. fehlender Grenzwert ergänzt
|}
 
=== Datierung_Methode ===
 
<div class="cmo-gutachten-feldbox cmo-akzent-petrol-links">
Neu im CMO-Modell. Entspricht TEI <code>@evidence</code>. Beantwortet die Frage „wie wurde datiert?". Wird aus dem SA-Kommentar übernommen, sofern die Grundlage benannt ist, oder von CMO eingeschätzt. Im CMIF nicht ausgewertet, aber für editorische Transparenz wichtig.
</div>
 
{| class="wikitable"
! Wert !! Bedeutung !! TEI @evidence
|-
| intern || Datierung ergibt sich aus dem Text selbst (z. B. datierter Briefkopf, Tagebucheintrag) || <code>internal</code>
|-
| extern || Datierung beruht auf einem äußeren Beleg (z. B. Poststempel, Erstdruck, Erwähnung durch Dritte) || <code>external</code>
|-
| konjektur || editorische Schätzung ohne direkten Beleg (z. B. Stil, Werkzusammenhang, Lebenskontext) || <code>conjecture</code>
|}
 
=== Datierung_Grundlage ===
 
<div class="cmo-gutachten-feldbox cmo-akzent-moos-links">
Gibt an, worauf die Datierung sachlich beruht. Entspricht dem Inhalt von <code>&lt;note type="evidence"&gt;</code>. Wird nur eingetragen, wenn der SA-Kommentar die Grundlage explizit nennt. Das Vokabular ist erweiterbar.
</div>
 
{| class="wikitable"
! Wert !! Bedeutung
|-
| Handschrift || Handschrift oder handschriftliche Angabe (z. B. loses Blatt im Nachlass)
|-
| Tagebuch || Tagebucheintrag
|-
| Notizbuch || Notizbucheintrag
|-
| Brief || Brief oder Briefzusammenhang
|-
| Erwähnung durch Dritte || Erwähnung durch eine andere Person (z. B. in Notizen oder Briefen)
|-
| Druck || Druck (Erst- oder Frühdruck) als Terminus
|-
| nicht angegeben || Quelle nennt Datierung, aber keine erkennbare Grundlage
|}
 
== Mapping zu TEI / CMIF ==
 
{| class="wikitable"
! CMO-Feld !! TEI (volle Granularität) !! CMIF (correspSearch) !! Bemerkung
|-
| date_start/end || <code>@when</code> ODER <code>@from/@to</code> ODER <code>@notBefore/@notAfter</code> || identisch, nur ISO-Form || Bei Zeitraum: <code>notBefore/notAfter</code>
|-
| Datierung_Sicherheit || <code>@cert</code> mit high/medium/low || nur <code>cert="low"</code> oder weggelassen || sicher→∅, erschlossen→low, nicht bestimmbar→low
|-
| Datierung_Methode || <code>@evidence</code> mit internal/external/conjecture || nicht im CMIF-Schema || nur im internen TEI-Export
|-
| Datierung_Herkunft || <code>@resp="#cmo-editor"</code> || nicht ausgewertet, aber erlaubt || optional mitliefern
|-
| Datierung_Grundlage || <code>&lt;note type="evidence"&gt;</code> und/oder <code>@source</code> || nicht ausgewertet || für Anzeige im eigenen Frontend
|}
 
=== XML-Beispiele ===
 
<syntaxhighlight lang="xml">
<!-- Sichere Tagesdatierung aus Briefkopf -->
<date when="1893-02-14">14. Februar 1893</date>
 
<!-- "Vermutlich Februar 1893" aus Poststempel -->
<date when="1893-02" cert="medium" evidence="external"
      resp="#cmo-editor">
  <note type="evidence">Datierung nach Poststempel.</note>
</date>
 
<!-- "Um 1900" stilistisch erschlossen -->
<date notBefore="1898" notAfter="1902" cert="low"
      evidence="conjecture" resp="#cmo-editor">
  <note type="evidence">Stilistische Datierung; Kontext Galgenlieder.</note>
</date>
 
<!-- CMIF-Export desselben Falls (reduziert) -->
<date notBefore="1898" notAfter="1902" cert="low"/>
</syntaxhighlight>
 
== Schlussfolgerung ==
 
Das CMO-Modell ist im deutschsprachigen Vergleich überdurchschnittlich differenziert und zugleich auf die tatsächliche Quellenlage der ''Stuttgarter Ausgabe'' zugeschnitten. Es ist vollständig TEI-kompatibel im Sinne der BBAW-Empfehlung „Encoding Correspondence" und vorbereitet für den CMIF-Export an correspSearch.
 
Der CMIF-Export reduziert sich automatisch auf das, was correspSearch verarbeitet – ohne Informationsverlust in der eigenen Edition.
 
'''Zentrale Referenz:''' BBAW-Handbuch „Encoding Correspondence", Kapitel „Uncertainties in metadata" (Dängeli/Hödl-Notter/Steyer 2020).

Version vom 15. Juni 2026, 02:52 Uhr

Diese Seite dokumentiert das CMO-Datierungsmodell im Vergleich mit der Praxis anderer digitaler Editionen. Sie basiert auf einer Recherche zu Datierungsmodellen digitaler Editionen (2025) und den daraus gezogenen Schlussfolgerungen für CMO.

Weiterführend: CMO:Struktur und Erfassungssystematik#Datierung und Zeitspannen - Richtlinien

Befundlage: Vier Schulen prägen die deutschsprachige Praxis

BBAW / TELOTA

edition humboldt digital, Jean Paul, Schleiermacher. ediarum.BASIS-Framework: dreistufige Datumstypen, meist binäres @cert="high|low".

Berner hallerNet

Vorbild des BBAW-Handbuchs „Encoding Correspondence". Feinstes Modell: @when/@notBefore/@notAfter, @cert (high/medium/low/unknown), @evidence, @resp, @source, strukturierte <note type="evidence">.

DTABf-Tradition

Bewusst binäres @cert="high|low" zugunsten besserer Vergleichbarkeit.

CMIF / correspSearch

Hartes Minimalformat: ISO-Daten und nur @cert="low" als zulässiger Wert. Alle anderen Werte werden vom RNG-Schema abgelehnt. Eine sichere Datierung trägt kein @cert.

Referenz: BBAW-Handbuch „Encoding Correspondence" (Dängeli/Hödl-Notter/Steyer 2020), Kapitel „Uncertainties in metadata".

Wie TEI die Datierungsachsen technisch trennt

TEI P5 unterscheidet vier konzeptionell unabhängige Aspekte, die in deutschen Editionen oft vermischt werden:

Aspekt TEI-Mittel Mögliche Werte CMO-Feld
Granularität – wie genau auflösbar? @when bzw. @notBefore/@notAfter 1900 · 1900-05 · 1900-05-12 · Spanne ergibt sich aus date_start/date_end
Sicherheit – ist die Datierung korrekt? @cert high · medium · low · unknown Datierung_Sicherheit
Methode/Beleg – welche Art von Beleg? @evidence internal · external · conjecture Datierung_Methode
Verantwortlichkeit – wer datiert? @resp URI/ID Datierung_Herkunft
Konkrete Quelle – worauf beruht es? @source + <note type="evidence"> URI + Freitext Datierung_Grundlage

TEI-Regel: @when darf nicht mit @notBefore/@notAfter oder @from/@to kombiniert werden. Diese Regel ist im CMIF-Schematron hart durchgesetzt. Ein eigenständiges @precision-Attribut auf <date> existiert nicht – Granularität wird über das separate <precision>-Element ausgedrückt.

Das CMO-Modell im Vergleich

Datierung_Sicherheit

CMO-Wert Bedeutung TEI @cert CMIF-Export
sicher Datierung direkt oder eindeutig belegt kein @cert kein @cert
wahrscheinlich gut begründet, SA-Formulierungen wie „wohl" cert="high" weglassen
erschlossen aus anderen Angaben abgeleitet, z. B. Erstdruck als Terminus ante quem cert="medium" cert="low"
nicht bestimmbar keine sinnvolle Eingrenzung möglich cert="unknown" kollabieren

Datierung_Herkunft

Wert Bedeutung
SA-Kopf Datum steht im Werkkopf der SA (vor allem Briefe)
SA-Kommentar Datierungsangabe aus dem Kommentar der SA
CMO-Erschließung redaktionell erschlossen, z. B. fehlender Grenzwert ergänzt

Datierung_Methode

Wert Bedeutung TEI @evidence
intern Datierung ergibt sich aus dem Text selbst (z. B. datierter Briefkopf, Tagebucheintrag) internal
extern Datierung beruht auf einem äußeren Beleg (z. B. Poststempel, Erstdruck, Erwähnung durch Dritte) external
konjektur editorische Schätzung ohne direkten Beleg (z. B. Stil, Werkzusammenhang, Lebenskontext) conjecture

Datierung_Grundlage

Wert Bedeutung
Handschrift Handschrift oder handschriftliche Angabe (z. B. loses Blatt im Nachlass)
Tagebuch Tagebucheintrag
Notizbuch Notizbucheintrag
Brief Brief oder Briefzusammenhang
Erwähnung durch Dritte Erwähnung durch eine andere Person (z. B. in Notizen oder Briefen)
Druck Druck (Erst- oder Frühdruck) als Terminus
nicht angegeben Quelle nennt Datierung, aber keine erkennbare Grundlage

Mapping zu TEI / CMIF

CMO-Feld TEI (volle Granularität) CMIF (correspSearch) Bemerkung
date_start/end @when ODER @from/@to ODER @notBefore/@notAfter identisch, nur ISO-Form Bei Zeitraum: notBefore/notAfter
Datierung_Sicherheit @cert mit high/medium/low nur cert="low" oder weggelassen sicher→∅, erschlossen→low, nicht bestimmbar→low
Datierung_Methode @evidence mit internal/external/conjecture nicht im CMIF-Schema nur im internen TEI-Export
Datierung_Herkunft @resp="#cmo-editor" nicht ausgewertet, aber erlaubt optional mitliefern
Datierung_Grundlage <note type="evidence"> und/oder @source nicht ausgewertet für Anzeige im eigenen Frontend

XML-Beispiele

<!-- Sichere Tagesdatierung aus Briefkopf -->
<date when="1893-02-14">14. Februar 1893</date>

<!-- "Vermutlich Februar 1893" aus Poststempel -->
<date when="1893-02" cert="medium" evidence="external"
      resp="#cmo-editor">
  <note type="evidence">Datierung nach Poststempel.</note>
</date>

<!-- "Um 1900" stilistisch erschlossen -->
<date notBefore="1898" notAfter="1902" cert="low"
      evidence="conjecture" resp="#cmo-editor">
  <note type="evidence">Stilistische Datierung; Kontext Galgenlieder.</note>
</date>

<!-- CMIF-Export desselben Falls (reduziert) -->
<date notBefore="1898" notAfter="1902" cert="low"/>

Schlussfolgerung

Das CMO-Modell ist im deutschsprachigen Vergleich überdurchschnittlich differenziert und zugleich auf die tatsächliche Quellenlage der Stuttgarter Ausgabe zugeschnitten. Es ist vollständig TEI-kompatibel im Sinne der BBAW-Empfehlung „Encoding Correspondence" und vorbereitet für den CMIF-Export an correspSearch.

Der CMIF-Export reduziert sich automatisch auf das, was correspSearch verarbeitet – ohne Informationsverlust in der eigenen Edition.

Zentrale Referenz: BBAW-Handbuch „Encoding Correspondence", Kapitel „Uncertainties in metadata" (Dängeli/Hödl-Notter/Steyer 2020).