Poseidon und Selene/Volltext: Unterschied zwischen den Versionen
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Selene kniet im Silberhorn | Selene kniet im Silberhorn | ||
und blickt hinab auf blaues Meer... | und blickt hinab auf blaues Meer... | ||
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Er türmt zu ungeheurem Bau | Er türmt zu ungeheurem Bau | ||
der Wogen schwanke Quadern auf, | der Wogen schwanke Quadern auf, | ||
wie Schollen wirft er | wie Schollen wirft er Well' auf Well', | ||
daß wie ein Berg das Wasser steigt... | daß wie ein Berg das Wasser steigt... | ||
Und auf des nassen Marmors Gischt, | Und auf des nassen Marmors Gischt, | ||
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ihn hoch, und donnernd geht sein Wort: | ihn hoch, und donnernd geht sein Wort: | ||
»Wie lang noch willst du ihn verschmähn? | »Wie lang noch willst du ihn verschmähn? | ||
Wer zählt die | Wer zählt die Tag' und Nächte, die | ||
ich dich umworben - Buhlerin, | ich dich umworben - Buhlerin, | ||
die ewig lockt und nie gewährt! | die ewig lockt und nie gewährt! | ||
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Doch endlich, endlich - wann wohl? wann? - | Doch endlich, endlich - wann wohl? wann? - | ||
ja endlich wirst du dennoch mein!" | ja endlich wirst du dennoch mein!" | ||
Und leis | Und leis erwidert's: "Endlich, ja! | ||
Ja, endlich werd ich dennoch dein!" | Ja, endlich werd ich dennoch dein!" | ||
Und zitternd | Und zitternd hört's der starke Gott, | ||
und zweifelnd | und zweifelnd hört's die kecke Brut | ||
und zischt sich heimlich spottend zu: | und zischt sich heimlich spottend zu: | ||
"Ach endlich wird sie dennoch sein!" | "Ach endlich wird sie dennoch sein!" | ||
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Selene ruht im Silberhorn | Selene ruht im Silberhorn | ||
zu süßem Schlummer hingeschmiegt... | zu süßem Schlummer hingeschmiegt... | ||
Poseidon! schimmert feucht ihr | Poseidon! schimmert feucht ihr Aug', | ||
Poseidon! atmet ihre Brust. | Poseidon! atmet ihre Brust. | ||
Allabendlich das gleiche Spiel. | Allabendlich das gleiche Spiel. | ||
Aktuelle Version vom 2. September 2026, 11:49 Uhr
Poseidon und Selene
Selene kniet im Silberhorn und blickt hinab auf blaues Meer... Poseidon! glänzt ihr weicher Blick, Poseidon! singt sie leis ins All... Allabendlich das gleiche Spiel, der süßen Sehnsucht sanft Gebet - bis endlich sich die Woge teilt und der geliebte Gott sie grüßt.
Selene kniet im Silberhorn und hüllt jungfäulich streng sich ein. Sie fühlt sein Auge, rosig glüht ihr Schleier von verborgnem Hauch. Allabendlich das gleiche Spiel, der gleichen Sehnsucht Scham und Glut, bis liebesübermannt zuletzt des Meeres Herrscher rast und tobt.
Er türmt zu ungeheurem Bau der Wogen schwanke Quadern auf, wie Schollen wirft er Well' auf Well', daß wie ein Berg das Wasser steigt... Und auf des nassen Marmors Gischt, umringt von seinem ganzen Volk, erhebt er, Schimmerpracht-umronnen, des Meers unendlich Brautgeschmeid.
Und mit ihm heben tausend Hände mit Perlen, Steinen, Ringen, Kelchen, Gewanden, Netzen, Schleiern, Spitzen verwirrend sich zu ihr empor... Und mit ihm flehen tausend Munde: Oh komm, sei Königin der Meere im Muschelwagen der Delphine, Selena. Himmlische, oh komm!
Und den Korallengürtel löst, den Gürtel aller Meeresmacht, der Gott von seinem Leib und hält ihn hoch, und donnernd geht sein Wort: »Wie lang noch willst du ihn verschmähn? Wer zählt die Tag' und Nächte, die ich dich umworben - Buhlerin, die ewig lockt und nie gewährt!
Doch endlich, endlich - wann wohl? wann? - ja endlich wirst du dennoch mein!" Und leis erwidert's: "Endlich, ja! Ja, endlich werd ich dennoch dein!" Und zitternd hört's der starke Gott, und zweifelnd hört's die kecke Brut und zischt sich heimlich spottend zu: "Ach endlich wird sie dennoch sein!"
Der Uber-Spannung matt, vertaucht der Meergewaltige. Die Wogen begraben fürchterlichen Sturzes die breite Brust, das braune Haupt... In tollem Wirbel, Taumel, Tanz rast, schießt, springt, schnellt sich jauchzend Volk. nach Schätzen gier, nach Liebe mehr, wildblütig wie sein Element...
Selene ruht im Silberhorn zu süßem Schlummer hingeschmiegt... Poseidon! schimmert feucht ihr Aug', Poseidon! atmet ihre Brust. Allabendlich das gleiche Spiel. Entsagens und doch Hoffens voll, allabendlich die gleiche Glut, und der sie stillt, der gleiche Trost.
Selene träumt im Silberhorn: "Poseidon wird nicht lange ruhn. so treu umwirbt mich keiner doch denn Er, den jeder treulos nennt! Am Tage selbst ersehnt er mich und hebt das Meer aus seinem Grund und türmt es auf, mir nah zu sein, - so mächtig liebt kein andrer Gott!"